Geburtsbericht

Wie versprochen möchte ich euch heute ein bisschen mehr über unser Geburtserlebnis berichten – für diejenigen unter euch, die es interessiert. Gerade wenn man zum ersten Mal Mutter wird, ist man glaube ich gespannt, wie eine Geburt denn so ablaufen kann. Ich habe zumindest immer mit Spannung die Geburtsberichte der Schwangeren / Mamas gelesen, denen ich auf Instagram folge, und die auch in den letzten Wochen Mütter geworden sind.

Wen es nicht interessiert, bitte hier aufhören zu lesen.

Natürliche Geburt – oder so ähnlich

Eigentlich habe ich mir immer eine „normale“ Geburt vorgestellt. Also Wehenbeginn daheim, Blasensprung und dann mit dem aufgeregten Papa ab ins Krankenhaus. Ein paar Wochen vor der Geburt unserer Tochter haben wir noch brav einen Geburtsvorbereitungskurs besucht (den ich wirklich jedem empfehlen kann, wir haben echt viel gelernt!) und dort alles über Geburtsbeginn, Wehenabstände, Blasensprung usw. erfahren. Naja, leider kam es bei uns dann etwas anders. Nachdem bei mir im letzten Schwangerschaftsmonat Bluthochdruck in Folge einer Präeklampsie (auch „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt) festgestellt wurde, bekam ich Blutdrucksenker und musste 2 Mal die Woche auf der Gyn-Ambulanz zur Kontrolle antanzen, mit allem drum und dran (CTG, Ultraschall, Bluttests). 2 Wochen später wurde ich dann stationär aufgenommen, weil meine Elektrolyte (genauer der Natriumwert) immer weiter absanken. Ich sollte über Nacht bleiben und bekam eine Natriuminfusion angehängt, da ein zu niedriger Wert sowohl für mich als auch für das Baby hätte gefährlich werden können. Leider hat die Infusion nichts gebracht und am nächsten Morgen eröffnete mir der Arzt, wir müssten das ganze beschleunigen und die Geburt noch am gleichen Tag einleiten. Ich war erstmal geschockt, denn ich hatte zwar mit einer Einleitung in absehbarer Zeit inzwischen gerechnet, aber ich dachte ich hätte zumindest noch eine Woche Schonfrist. Das wichtigste war aber, dass wir die 38. Schwangerschaftswoche erreicht hatten und die Kleine damit keine Frühgeburt mehr war.

Es geht los

Nachdem ich also dem Papa Bescheid gegeben hatte, denn der war ja in der Arbeit, bekam ich zur Einleitung eine Tablette am Muttermund gelegt. Der war zu dem Zeitpunkt – auch zum Erstaunen des Arztes – schon 2 cm geöffnet, die Kleine steckte also ohnehin schon in den Startlöchern. Später erzählte mir dann die Hebamme, dass sie am Vorabend am CTG schon leichte Wehen gesehen hat, die ich aber nicht spürte. Parallel zu der chemischen Einleitung zogen auch die Hebammen alle Register. Ich bekam einen (seeehr leckeren) Tee zu trinken und ein Öl zum Baucheinreiben. Vor dem Mittagessen wurde dann ein Einlauf gelegt, eine Erfahrung die ich absolut nicht wiederholen möchte… Den nächsten Schritt, nämlich die Akupunktur, brauchten wir dann gar nicht mehr, denn der Einlauf brachte alles „ins Rollen“. Ich kam gar nicht mehr zum Mittagessen, denn als ich wieder auf meinem Zimmer war, wurde mir übel und ich musste mich übergeben. Danach war mir nicht nach Essen, und kurze Zeit später gingen die Wehen auch schon los. Als ich nach knapp 2 Stunden wieder zum CTG sollte, hatte ich schon regelmäßige Wehen ohne nennenswerte Pausen. Kurz danach platze meine Fruchtblase, begleitet von neuerlicher Übelkeit und Übergeben. (Ein wirklich seltsames Gefühl, wenn dir oben und unten gleichzeitig Flüssigkeit raus kommt). Zu dem Zeitpunkt habe ich dem Papa dann Bescheid gegeben, er möge bitte losfahren, und ein paar Minuten später war er da.

Zu spät für den Kaiserschnitt?

Durch die Einleitung hatte ich durchgehend Wehen, ohne Pause. Ich verlor jegliches Zeitgefühl, es tat nur noch weh. Die Hebamme meinte zuerst, ob ich noch spazieren gehen wolle oder mir zutraute, nochmal hoch aufs Zimmer zu gehen (haha, sehr witzig…), steckte mich dann aber in die Badewanne, um so vielleicht größere Wehenabstände zu erreichen. (Zu dem Zeitpunkt fragte ich halb ernst nach einem Kaiserschnitt, für den es natürlich längst zu spät war, und den ich auch nicht wirklich gewollt hätte.) Die Badewanne half etwas, aber nach kurzer Zeit hatte ich dann das Gefühl, ich müsste pressen. Die Hebamme sah zur Sicherheit nach meinem Muttermund, und holte mich etwas erschrocken aus der Badewanne, als sie feststellte, dass dieser innerhalb der letzten Stunde komplett verstrichen und das Köpfchen schon fühlbar war. Es folgte die Pressphase in verschiedenen Positionen, die Hebamme und der Papa unterstützen mich sehr gut, und sowohl das Baby als auch ich wurden durchgehend überwacht. Später kam dann noch die Ärztin dazu, die von außen auf meinen Bauch drückte und mitschob, da der Kopf nicht und nicht geboren werden wollte. (Kein Wunder, meine Kleine hatte schon einen Dickschädel mit  37 cm Kopfumfang bei der Geburt) Wie lange das so ging kann ich nicht sagen, ich hatte null Zeitgefühl in der Situation. Ich weiß nur dass ich den Papa zwischen stützen und Wasserglas bringen hin und her gejagt habe. Als dann der Kopf endlich raus war, ging alles ganz leicht. Der Körper flutschte mit der nächsten Wehe und etwas Hilfe der Hebamme einfach nach.

Endlich geschafft

Im Nachhinein habe ich festgestellt, wir hatten eine super schnelle Geburt, die knappe 4-5 Stunden gedauert hat. Als ich meine Tochter dann auf den Bauch gelegt bekam, war alles vergessen. Ich erinnere mich nicht mehr so genau an die Schmerzen, ich weiß nur noch es hat doch ziemlich weh getan. Aber man vergisst das wirklich sehr schnell, und das ist auch gut so. In der Pressphase hätte ich ein zweites Kind nämlich bereits ausgeschlossen *lol*. Da sich ihr Dickschädel im Geburtskanal ziemlich verformen musste, um überhaupt durch zu passen, sah unsere Tochter erstmal mehr aus wie ein Alien mit einem langen Hinterkopf und erinnerte mich an irgendeinen Film, aber ich weiß bis heute nicht an welchen. Das bildete sich aber zum Glück schnell zurück, und am nächsten Tag war ihr Kopf schon wieder fast normal. Die Geburt der Plazenta ging dann auch recht schnell, und so konnten wir bald ins Bonding-Zimmer zum Kuscheln und zum ersten Anlegen (Stillen). Ich bekam dann endlich was zu Essen, auch wenn ich noch keinen Hunger hatte, aber mein Mann fütterte mich brav. Nach einiger Zeit wurden wir wieder auf unser Zimmer gebracht und während mein Mann irgendwann nachhause fuhr, nutzen unsere Tochter und ich die Zeit zum schlafen.

Pures Glück

Alles in Allem war die Geburt eine faszinierende Erfahrung, die mich an meine Grenzen gebracht hat. Gleichzeitig bin ich aber auch über meine Grenzen hinaus gewachsen – in dem Moment hat man keine andere Wahl. Für das erste Kind ging die Geburt ziemlich schnell und reibungslos, trotz Einleitung. Die Wehen wären wahrscheinlich ohne die Tablette nicht so heftig gewesen, aber sonst ging alles glatt, und ich bin stolz auf mich selbst, dass ich alles ohne irgendwelche Schmerzmittel durchgezogen habe. Ich hatte zum Glück, trotz des großen Kopfes, nur eine kleine Geburtsverletzung, und es ist alles schnell verheilt. Definitiv aber war unsere Tochter das alles Wert. Und wie schon gesagt, man vergisst zum Glück relativ schnell, wie sich die Geburt und die Wehen genau angefühlt haben, denn die Glücksgefühle überwiegen einfach.

 

 

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