Stadtpflanze trifft Landleben

Im Juni 2016 sind wir in unser Haus aufs Land gezogen, in eine Gegend aus der mein Mann stammt. Für mich als echte Stadtpflanze war das eine große Umstellung und ein kleiner Kulturschock, denn die Uhren ticken hier doch irgendwie so ganz anders, als ich es gewohnt bin.

Das Landleben hat so einige Vorzüge zu bieten

  • Jeder kennt jeden, das ist irgendwie nett.
  • Alle wissen sofort, wer du bist, denn so viele „Neue“ gibt es ja nicht.
  • Die Menschen grüßen sich freundlich und führen Small Talk, ach wenn sie sich gar nicht kennen.
  • Der Postler kennt dich und lässt dir gleich zum Einzug ein Formular für eine Abstellgenehmigung da. (Da wusste er aber noch nicht, wie viele Pakete ich bekomme *lol*)
  • Man kann dem Postler Retouren einfach an der Haustür mitgeben, wenn diese schon frankiert sind.
  • Man muss nicht lange suchen und findet eine Vielfalt an Wildkräutern. Darum freue ich mich schon auf den Frühling, und darauf, endlich die Gerichte aus meinen Wildkräuter-Kochbüchern auszuprobieren.

Aber es gibt auch einige Dinge, die ziemlich gewöhnungsbedürftig sind

  • Jeder kennt jeden, das ist auch irgendwie gruselig.
  • Die einzige diensthabende Apotheke in der Gegend hat am Sonntag mal eben ein paar Stunden geschlossen, weil der Apotheker „Medikamente ausfahren muss“. (Ich tippe ja eher auf ein ausgedehntes Mittagessen). Wenn der Apotheker dann doch mal anzutreffen ist, dann in der zweiten Apotheke, nicht in der die eigentlich Dienst hätte. Dort hat er das gewünschte Medikament natürlich nicht lagernd, und man muss geschlagene 3(!!!) Mal in die Apotheke gurken, um endlich ein Standardmedikament zu bekommen. (Wenn ich gewusst hätte, dass wir die Augentropfen für meine Tochter noch so lange geben muss, hätte ich sie mir am Freitag noch geholt. Aber so mussten sie ja wieder am Sonntag ausgehen, typisch.)
  • Am Faschingsdienstag laufen alle verkleidet herum und einige Läden haben „wegen Fasching geschlossen“.
  • Man braucht für alles ein Auto. Selbst wenn ich nur kurz Semmeln holen möchte, muss ich mit dem Auto zum Bäcker fahren.
  • Die Trafik im Ort bekommt von vielen Zeitschriften nur ein einziges Exemplar. Wenn jemand anders schneller ist, hat man keine Chance mehr. (Darum habe ich meine Lieblingsmagazine inzwischen abonniert und bekomme sie nachhause geschickt.)

Es hat viele Vorteile, hier zu wohnen, aber auch einige Nachteile, wie das wohl in jeder Gegend so ist. Im Großen und Ganzen habe ich mich mit dem Leben hier aber angefreundet, auch wenn mich manche Dinge immer wieder aufs neue aufregen. Und wenn mir das Landleben zu viel wird, fahre ich auf Kurzurlaub in die Stadt zurück.

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